Bei Krebsoperationen kommt es auf Millimeter an. Wo hört der Krebs auf, wo fängt gesundes Gewebe an? Gewebeuntersuchungen während der Operationen kosten viel Zeit. Ergebnisse liegen oft erst 30 Minuten später vor. Währenddessen liegt der Patient auf dem OP-Tisch.

Die Entfernung eines Tumors ist für Chirurgen oft eine Gratwanderung: Einerseits sollen Sie das Karzinom komplett entfernen, andererseits aber möglichst gesundes Gewebe verschonen. Insbesondere bei Gehirntumoren ist dies ein wichtiger Punkt. Hier kommt es auf jeden Millimeter an.

Forscher der University of Texas in Austin/USA haben jetzt ein Gerät – genau genommen ein Massenspektrometer – entwickelt, der es Ärzten in Zukunft direkt während der Operation ermöglichen soll, Krebsgewebe zu erkennen.

Das Gerät mit dem Namen MasSpec Pen, erkennt krebstypische Moleküle und analysiert so die Gewebeareale, ohne dabei das Gewebe zu schädigen. Der Chirurg gibt dazu mit dem Stift ein Wassertröpfchen auf das Gewebe, in dem sich dann die Moleküle lösen. Dieses Gemisch wird daraufhin in den MasSpec Pen geleitet, wo es analysiert wird. So entsteht quasi ein molekularer Fingerabdruck des Gewebes. Und liegen innerhalb von nur 10 Sekunden die Ergebnisse vor.

Erste Tests erfolgreich

In ersten Tests an rund 250 menschlichen Gewebeproben von Brust, Lunge, Schilddrüse und Eierstock erreichte der MasSpec eine Trefferquote von 96%! Das ist also nicht nur deutlich schneller, sondern auch deutlich genauer als bei der herkömmlichen Methode im Labor (Fehlerquote von ca. 20%).

Schon bald im Einsatz?

Ab 2018 soll der Stift bei Operationen kontinuierlich getestet werden. Dabei wird sich zeigen, wie gut sich die diversen Gewebemoleküle in Wasser lösen. Und damit der MasSpec Pen valide Ergebnisse liefert. Offen ist auch, wie der Stift reagiert, wenn er mit viel Flüssigkeit, wie z. B. Blut, während der OP in Verbindung kommt.

Mein Fazit

Die ermittelte Zuverlässigkeit von 96% ist ein super Wert. Für den Patienten reduziert die direkte, schnelle Kontrolle während der Operation das Risiko für Infektionen auf dem OP-Tisch. Und hat auch Einfluss auf die Höhe des Narkosemittels. Auf die übliche Frage des Patienten nach der OP: „Ich hoffe, Sie haben alles erwischt“, werden Ärzte ihren Patienten so sicher auch mehr Mut zusprechen können. Der MasSpec Pen wird sich natürlich in weiteren onkologischen Operationen beweisen müssen, ist aber meiner Meinung nach auf jeden Fall ein wichtiger Schritt hin zur positiven Prognose nach Krebs-OP.

University of Texas/USA – New

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