Depressionen im Kindes- und Jugendalter sind anders. Je jünger die Kinder sind, desto mehr unterscheiden sich Symptome von denen bei Erwachsenen. Daher ist es gar nicht leicht, erste Anzeichen einer Depression bei Kindern und Jugendlichen zu erkennen. Ein digitales Frühwarnsystem könnte hier vielleicht bald helfen.

Man schätzt, dass bis zu 4% der Grundschulkinder und bis zu 8% der Jugendlichen in den westlichen Industrieländern von depressiven Störungen betroffen sind.  Wie bei betroffenen Erwachsenen besteht auch bei depressiven Jugendlichen ein erhöhtes Suizidrisiko. Daher ist das möglichst frühzeitige Erkennen einer depressiven Episode und eine entsprechende Intervention so wichtig. [1]

Es ist bereits bekannt, dass Menschen während einer Depression „anders“ schreiben als im gesunden Zustand. Sie verwenden bspw. mehr negative Wörter.

Gerade die junge Generation kommuniziert sehr viel über WhatsApp. In der Gruppe der 12- bis 13-Jährigen in Deutschland nutzen diesen Messaging-Dienst bis zu 95%. Besonders beliebt ist WhatsApp unter den 16- bis 18-jährigen Internetnutzern in Deutschland. In dieser Altersgruppe beläuft sich der Nutzeranteil sogar auf 96 Prozent.[2]

WhatsApp als innovatives Frühwarntool bei Depression

Beispiel WhatsApp Chat bei Depression
© Viola Sottru

So entstand die Idee für die Whats up?-Studie, für die der Diplom-Psychologe Stefan Lüttke gerade Geld über die Crowdfunding-Plattform Starnext sammelt. In dem Projekt, das die Uni Tübingen in Kooperation mit der Universität Würzburg sowie der Universität Leipzig plant, geht es um eine mobile App, mit deren Hilfe man bei Kindern und Jugendlichen Depressionen frühzeitig erkennen kann. Dafür soll zunächst eine App zur Auswertung von WhatsApp-Chatprotokollen entwickelt werden, deren Funktionsfähigkeit, Reliabilität und Validität in einer klinischen Pilotstudie geprüft wird. Zusätzlich sollen dann Unterschiede im Nutzungsverhalten von WhatsApp wie Nutzungsdauer, Textlänge etc. zwischen der klinischen und der Kontrollgruppe analysiert werden.

Die Ergebnisse der Auswertung können dann für therapeutische und präventive Zwecke genutzt werden. So könnten zum Beispiel Interventionsvorschläge direkt auf dem Smartphone des Nutzers angezeigt und somit eine schnelle Hilfe ermöglicht werden .

Steffan Lüttke Projektleiter WhatsApp bei Depression
Dipl.-Psych. Stefan Lüttke, Projektleiter der What’s up?-Studie © Heinz Heiss Fotografie

„Im Übrigen haben wir sogar drei prominente Unterstützer: Dr. Eckart von Hirschhausen, Dr. Mark Benecke und Vanessa Petruo.“, erfahre ich von Stefan Lüttke, dem Leiter dieses tollen Projekts.

Mein Fazit

Auch wenn es auf der Facebook-Seite der Crowdfunding-Plattform Startnext einige negative, aber auch ziemlich unqualifizierte Kommentare zu dem dort vorgestellten Forschungsprojekt gab, wollen wir hier nicht darüber diskutieren, ob es „gut“ oder „schlecht“ ist, dass Kinder und Jugendliche überhaupt WhatsApp nutzen. Tatsache ist, dass sie es tun. Und genau da setzt die Idee der Forscher an. Damit holt sie die Zielgruppe nämlich genau dort ab, wo sie sich ohnehin schon befindet. Wir finden das ziemlich schlau.

Also: Unterstützt das Projekt! Wir haben es bereits getan.

Mein Beitrag „Instagram-Fotos zur Früherkennung von depressiven Episoden“ könnte dich in diesem Zusammenhang auch interessieren.

[1] www.kinderpsychiater-im-netz.org

[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/298176/umfrage/umfrage-zur-nutzung-sozialer-netzwerke-durch-kinder-und-jugendliche/

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