Ob es querschnittgelähmten Menschen eines Tages möglich sein wird, allein mit Hilfe ihrer Willenskraft etwas bewegen zu können, beschäftigt die Hirnforschung schon lange. Bereits 1964 wurde von Wissenschaftlern das sogenannte „Bereitschaftspotential“ unter Laborbedingungen beschrieben. Bislang galt es allerdings als unmöglich, es in Alltagssituation zu messen. Wissenschaftler der Uni Tübingen ist dies nun sogar unter Extrembedingungen gelungen.

Was versteht man denn in der Hirnforschung unter dem Bereitschaftspotential ?

Das Bereitschaftspotential ist eine charakteristische elektrische Spannungsverschiebung im Gehirn, die eine bevorstehende willentliche Handlung anzeigt. Diese Spannungsverschiebung entsteht bereits, bevor sich der Handelnde überhaupt darüber bewusst wird, dass er gleich eine Bewegung ausführen wird. Bisher galten Messungen des Bereitschaftspotenzials nur im Labor als möglich, da die Spannungsverschiebung im Bereich von wenigen Millionstel-Volt liegt, wie es in der Mitteilung heißt.

Was war das Anliegen der Wissenschaftler? 

Vor allen Dingen wollten sie herausfinden, ob das Bereitschaftspotential auch in Alltagsumgebungen messbar ist. Das ist nämlich relevant für die Weiterentwicklung alltagstauglicher Gehirn-Maschine Schnittstellen, denn das wäre eine wichtige Grundlage dafür, dass Querschnittsgelähmte und Schlaganfallpatienten Maschinen mit ihren Hirnsignalen steuern können.

Ferner interessierte die Wissenschaftler, ob die für eine Handlung nötige Willenskraft Einfluss auf die Ausprägung des Bereitschaftspotentials hat.

®Pixabay 30 Mal stürzten sich die Probanden für die Hirnforschung in die Tiefe.

Nicht (nur) zum Vergnügen sondern für die Forschung erklärten sich zwei Klippenspringer bereit, ihre Hirnströme vor Bungee-Sprüngen von der 192-Meter hohen Europabrücke bei Innsbruck aufzeichnen zu lassen.
Für die Messung hat man die Probanden mit drahtlosen EEG-Messgeräten ausgestattet. Die Daten der Hirnaktivität wurden damit vor und während des Sprungs aufgezeichnet.

Das spannende Ergebnis dieses Experiments:
Nach nur wenigen Sprüngen gelang es den Forschern, das Bereitschaftspotential zweifelsfrei nachzuweisen.

Damit ist es Forschern erstmals gelungen, das sogenannte Bereitschaftspotential nicht nur außerhalb des Labors sondern sogar unter Extrembedingungen zu messen.

Die Ergebnisse der Studie werden im Frühjahr 2018 in einem internationalen Fachjournal veröffentlicht. Ein Abstract ist bereits online verfügbar.

Fazit

Im Bereich der Neurotechnologie tut sich enorm viel. Erst kürzlich haben wir hier über ein weiteres Projekt, das ebenfalls an der Uniklinik Tübingen durchgeführt wurde berichtet.
Bleibt nur zu hoffen, dass von der Neurotechnik schon bald Menschen mit Lähmungen profitieren können.

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