Schweizer Forscher haben ein Hautimplantat mit Melanin produzierenden Zellen entwickelt, quasi ein Muttermal-Tattoo, welches erste Anzeichen wachsender Tumore registriert und anzeigt. Krebsfrüherkennung 2.0? Kann ein Blick auf den Arm also künftig genügen, um eine Krebserkrankung rechtzeitig zu erkennen?

Diagnose Krebs

An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben in Deutschland deutlich mehr Menschen als an Krebs. Dennoch schockiert die Diagnose. Sie wird immer noch mit Unheilbarkeit und Hoffnungslosigkeit in Verbindung gebracht.

Die Statistiken des Krebsinformationsdienst sprechen jedoch eine andere Sprache: berücksichtigt man, dass die Menschen heute deutlich älter werden als zum Beispiel noch vor 20 Jahren, so geht die Krebssterblichkeit in Deutschland seit Jahren zurück; die Lebenserwartung Betroffener steigt deutlich. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen kann sogar auf dauerhafte Heilung hoffen. Zum Vergleich: 2014 starben ca. 222.000 Menschen an Krebs. Im gleichen Zeitraum starben ca. 338.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Dauerhafte Heilung

Die Prognosen sind jedoch nicht bei jeder Tumorart ähnlich günstig. Und so kann heute auch noch nicht jeder Krebspatient auf Heilung hoffen. Früherkennung ist und bleibt der Schlüssel für eine positive Prognose. Und hier kommt das von den Forschern der Eidgenössichen Technischen Hochschule Zürich (ETH) entwickelte Implantat ins Spiel.

Muttermal-Tattoo als Frühwarnsystem
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©ETH Zürich, News: Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem, Peter Rüegg

Das Implantat aus gentechnisch veränderten, menschlichen Zellen soll helfen, eine Erkrankung der vier häufigsten Krebsarten – Prostata-, Lungen-, Darm– und Brustkrebs – verlässlich und rechtzeitig zu erkennen. Die Zellen im Implantat verfügen über einen Calcium-Rezeptor. Denn hohe Calcium-Werte können ein früher Indikator für diese Tumore sein. Übersteigen die Werte nun über einen längeren Zeitraum einen bestimmten Grenzwert, beginnen die gentechnisch veränderten Zellen im Implantat das Pigment Melanin zu produzieren, der Leberfleck entsteht.

Laut ETH erscheint der Leberfleck lange bevor eine Krebserkrankung mit den üblichen Routinemethoden festgestellt werden würde. Bestätigt sich beim Arzt der Anfangsverdacht, bleibt also genügend Zeit für eine Therapie.

Mein Fazit

Dass die Methode tatsächlich funktioniert, wurde bereits erfolgreich an erkrankten Mäusen gezeigt. Das Muttermal-Tattoo erschien verlässlich auf der Haut der Nager, die unter krebsartigen Tumoren litten, die mit einem erhöhten Calcium-Spiegel einhergehen. Dabei zeigte keines der Tiere bereits offensichtliche Krankheitszeichen.

Der große Nachteil jedoch: die Lebensdauer eines solchen Implantates begrenzt sich auf ein Jahr. Danach müssen die verkapselten Zellen inaktiviert und ersetzt werden. Der Prototyp wird also noch eine Weile ein Prototyp bleiben, ehe er den Weg in die Praxen findet. Aber es ist, wie der intelligente BH zur Brustkrebsfrüherkennung, ein erster wichtiger Schritt. Und die positiven Ergebnisse motivieren sicher, daran weiter zu arbeiten.

Den Artikel zum intelligenten BH gibt es übrigens hier. Und die Studie zum Muttermal-Tattoo hier: Synthetic biology-based cellular biomedical tattoo for detection of hypercalcemia associated with cancer, Tastanova et al., Science Translational Medicine

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