Kaltes Plasma ist ein Bakterienkiller. Die keimtötende Wirkung hat sich bereits bei der Hygiene-Behandlung von Verpackungsoberflächen etabliert. Jetzt geht es aus der NASA-Forschung auch in die Medizin.

Wunderwaffe Kaltes Plasma?

Kurz zur Physik – Was ist Plasma überhaupt? Plasma gilt als der vierte, nicht klassische, Aggregatzustand. Neben fest, flüssig und gasförmig kann jedes Gas durch Energiezufuhr in Plasma umgewandelt werden. Charakteristisch für Plasma ist sein Leuchten, welches durch Strahlungsemission angeregter Atome entsteht.

In klinischen Studien hat sich der Nutzen der Plasmatherapie bereits erwiesen. In der Anwendung bei Erregerbedingten Hauterkrankungen und chronischen Wunden sank die Zahl krank machender Keime in mit Kaltem Plasma behandelten Wunden deutlich. Kaltes Plasma tötet dabei bestehende Keime ab, ohne gesundes Gewebe anzugreifen. Es soll selbst Bakterien zerstören, die gegen Antibiotika Resistenzen bilden.

Ein weiterer positiver Effekt: Neben der antibakteriellen Wirkung regt die Plasmatherapie auch die Gewebeneubildung an, da durch die Stimulation die Mikrozirkulation nachweislich gesteigert wird. Die Therapie ist schmerzfrei; Nebenwirkungen konnten bisher keine festgestellt werden.

Kaltes Plasma-Chronische Wunden-Healthcare Heidi-01
©Cinogy GmbH
Nicht-heilende Wunden

Die Zahl der Patienten mit chronisch infizierten Wunden steigt ständig. Allein in Deutschland leiden mehr als fünf Millionen Menschen unter chronischen, nicht heilenden Wunden. Die derzeitige Therapie ist oft mit langen Krankenhausaufenthalten verbunden. Die jährlichen Kosten sind immens. Alternative Therapien – wie z. B. die Behandlung mit speziell gezüchteten Maden – ist nicht Jedermanns und -fraus Sache.

Beispiele für chronische Wunden sind der diabetische Fuß, Gangräne, Dekubitus oder postoperative Wunden nach chirurgischen Eingriffen. In einer Wunde, in der die Heilung zum Stillstand gekommen ist, eine Reaktivierung zu erreichen, erfordert oft komplexe Behandlungsschritte. Hier hat sich die Wundbehandlung mit Kaltem Plasma eindeutig als Vorteil erwiesen.

Wie sieht die Behandlung aus?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. ColdPlasmaTech, eine Ausgründung der Universität Greifswald, entwickelte z. B. ein Hightech-Pflaster aus Silikon, das die Wunde durch Kaltes Plasma schneller schließen soll. Die Wirkkomponenten sind Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, UV-Strahlung und elektrische Felder. Sie sollen die Durchblutung im Wundgebiet verbessern, neue Blutgefäße entstehen lassen, die Körperzellen stabilisieren, die Regeneration des geschädigten Gewebes ankurbeln und Bakterien und Pilze abtöten.

Eine Wundauflage, die für mehrere Tage auf der Wunde bleibt ist auch das PlasmaDerm® Dress. Auch mit dieser Wundauflage können die Keime mehrmals täglich bekämpft und die Durchblutung regelmäßig angeregt werden. Was den Heilungsprozess sicher signifikant verbessert.

Eine weitere Möglichkeit ist der sogenannte Plasma-Pen. Entwickelt haben ihn Wissenschaftler des Greifswalder Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie (INP) zusammen mit Kollegen an der Charité Berlin und dem Universitätsklinikum Greifswald.

Das Fraunhofer Institut für Schicht- und Oberflächentechnik Göttingen hat ein Gerät entwickelt, welches am Kopfende aus einem weißen Schwamm besteht, der auf die Wunde des Patienten gehalten wird. Winzige Noppen auf der Unterseite verhindern, dass der Schwamm direkt auf der Haut aufliegt. Frei bleibt ein Luft gefüllter Spalt in welchem das Kalte Plasma entsteht. Dreimal pro Woche wurden die chronischen Wunden beim Verbandwechsel behandelt.

Professor Emmert, Dermatologe am Uniklinikum Göttingen, hat Patienten mit schwer heilenden, chronischen Wunden behandelt und konnte zeigen, dass gerade in den ersten Wochen der Behandlung eine schnellere Wundheilung eingetreten ist, als mit der Standard-Therapie. Auch der Schmerz der Wunde ist deutlich geringer, wenn man zusätzlich mit Plasma behandelt.

Mein Fazit

Kaltes Plasma = Medizin der Zukunft? Klares Ja! Forscher arbeiten bereits daran, Kaltes Plasma auch in der Krebstherapie und der Behandlung von Neurodermitis einsetzbar zu machen. Ein Plasmastick für die Hausapotheke zur Behandlung kleinerer, verletzter Hautareale ist die Vision.

Die Anwendung von Kaltem Plasma fällt noch nicht unter die Routineversorgung und ist damit noch nicht abrechnungsfähig. Auch wenn erste Kassen bereits in Einzelfällen die Behandlungskosten übernehmen, muss der Patient in den überwiegenden Fällen die Kosten (noch) selbst tragen. Damit haben wir nun leider wieder die Zwei-Klassen-Medizin in einer richtig guten Sache. Deshalb, liebe Krankenkassen, lasst euch nicht lange bitten und macht die Therapie abrechnungsfähig.


Ein weiterer Beitrag zum Thema Chronische Wunden smart versorgen gibt es hier.

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