Roboter sind in der Medizin zu unverzichtbaren Helfern geworden. In Operationssälen sind sie längst Alltag. Sie werden überall dort eingesetzt, wo sie Ärzte bei der Arbeit und Patienten bei der Genesung unterstützen können. Mein Kollege Wolf hat von der diesjährigen MEDICA spannendes berichtet. Ein Forschungsprojekt hat mich besonders begeistert. MURAB – MRI and Ultrasound Robotic Assisted Biopsy. Dazu gleich mehr.

Kein Science Ficton

Ein Mensch liegt auf dem Operationstisch. Statt des Chirurgen beugt sich jedoch plötzlich ein Roboter über den Patienten. Hightech-Arme schneiden, reparieren und nähen wieder zu. Der Chirurg sitzt einige Meter entfernt am Steuerpult.

Immer stärker dringt der technologische Fortschritt in die Operationssäle vor. Roboter werden zu unverzichtbaren Assistenten.

Keine Frage, sie werden den Arzt – noch nicht? – ersetzen können. Seine Erfahrung lässt sich nicht einfach in Künstliche Intelligenz umsetzen und programmieren. Aber sie helfen in „einfachen“ Dingen. Zum Beispiel bei minimal invasiven Eingriffen. Hier haben sie ein ruhigeres Händchen und werden auch nicht müde. Sie können die Bewegung des Arztes problemlos auf eine andere Größenordnung umrechnen. Führt der Chirurg an der Steuerkonsole zum Beispiel eine Bewegung um einen Zentimeter aus, kann der Computer diese Bewegung so umrechnen, dass sich der Roboterarm nur um einen Millimeter bewegt. So ist es möglich kleinste Schnitte mit höchster Präzision auszuführen.

MURAB

Eine neue Entwicklung dieser Assistenzsysteme wurde jetzt ganz aktuell auf der diesjährigen Medica in Düsseldorf vorgestellt: MURAB – ein Roboter für die Erkennung von Brustkrebs. Ziel dieses Robotersystems ist es, die diagnostische Biopsie zu verbessern.

Tritt nach einem Brustkrebs-Screening ein Verdacht auf, wird durch eine Biopsie das verdächtige Gewebe entnommen und weiter untersucht. Dabei ist es entscheidend, genau das betroffene Areal zu treffen. Für die Gewebeentnahme führt MURAB die Ultraschall-Sonde und richtet die Biopsie-Nadel treffsicher auf die Läsion aus. So kann  der Arzt die Nadel mit hoher Präzision in das Gewebe einführen. Das macht die Prozedur – und wir reden hier wirklich von einer Prozedur – für die Betroffenen einfacherer und sicherer.

Das Forschungsprojekt

MURAB ist nicht nur der Name für den Assistenten, sondern steht in erster Linie für ein europäisches Forschungsprojekt, an welchem auch das deutsche Unternehmen KUKA Medical Robotics aus Augsburg beteiligt ist. Weitere Partner sind neben anderen Siemens Nederland N.V., die Università de Verona (UNIVR), Italien, die Medizinische Universität Wien, Österreich, und das Radboud university medical center (RUMD) in den Niederlanden.

Neuartige Registrierungssoftware-Algorithmen ermöglichen MRT-Bilddaten mit Ultraschall-Bilddaten zu fusionieren. Damit können aufwendige und kostenintensive MRT-Untersuchungen in schnellere und kostengünstigere Ultraschall-Untersuchungen umgewandelt werden. Der durch das Projekt entwickelte Prototyp sieht vor, dass der Radiologe das Zielgewebe am MRT-Bild anklickt und der Roboter die Biopsie automatisiert und unter Ultraschallführung durchführt (Quelle: Medizinische Universität Wien). Der offizielle Launch des Projektes fand im Rahmen der jährlichen European Robotics Summit 2016 in den Niederlande statt und soll Ende des Jahres 2019 abgeschlossen sein. Die EU unterstützt das Projekt mit ca. 4 Mio. Euro.

Mein Fazit

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen in der EU. Die Diagnose bedeutet dabei fast immer einen Schock. Wichtig für die Diagnostik sind bildgebende Untersuchungen, wie Mammographie, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie. Am Ende ist nur die Biopsie die einzige wirkliche Nachweismethode einer Krebserkrankung.

Unbestritten ist, dass durch eine Biopsie Risiken auftreten und das Verfahren der Patientin auch schaden kann. Mit dieser neuen Technologie würde das Scannen nur noch 15-20 Minuten dauern – statt 45-60 Minuten für einen Standard-MRI-Scan. Und, auch hier gilt: Die Kollegen aus Stahl sind eine perfekte Ergänzung. Sie haben ein ruhigeres Händchen und werden nicht müde. Sie können die Bewegung des Arztes so umrechnen, dass sich der Roboterarm nur um Millimeter bewegt. Heißt: sie können kleinste Schnitte mit höchster Präzision ausführen, würden damit weniger Gewebe verletzen, weniger Schmerzen verursachen und die „Prozedur“ erträglicher machen. Auf der Medica 2018 wurde der Prototyp vorgestellt und machte Hoffnung auf eine neue Zukunft in der Brustkrebsdiagnostik. Drücken wir uns Frauen die Daumen.


Weitere Informationen zum Projekt:

MURAB

KUKA Medical Robotics

Murab: an EU-funded project success story

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