Ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir, sagt man so landläufig. Wohl dem, der immer gut in den Schlaf findet, gut durchschläft und dann morgens bestens erholt aus den Federn springt. Leider ist ein guter und erholsamer Schlaf längst nicht jedem vergönnt. Die Online-Schlafhilfe Sleepio verspricht Abhilfe.

Die Prävalenz von Schlafstörungen in der deutschen Erwachsenenbevölkerung wird mit knapp 6% als hoch und als gesundheitspolitisch bedeutsam angesehen.[1] Schlafstörungen sind mit einem erhöhten Risiko für eine Vielzahl psychischer und somatischer Gesundheitsstörungen verbunden. So haben Insomnie-Patienten eine deutlich erhöhte Mortalität gegenüber „Normal“-Schläfern. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass zu wenig Schlaf offenbar eine altersunabhängige Dosis-Wirkungs-Beziehung zu Übergewicht und Adipositas, Bluthochdruck sowie zum metabolischen Syndrom aufweist.[2]

Als nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten haben sich unter anderem psychoedukative Maßnahmen wie die Vermittlung „schlafhygienischer“ Regeln und die Umbewertung dysfunktionaler schlafbezogener Gedanken die Konfrontation mit den auslösenden schlafbehindernden Situationen sowie das Erlernen von Entspannungstechniken bewährt.

Eine neue Option stellt Sleepio, eine voll automatisierte und algorithmenbasierte kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur Insomnie-Behandlung dar.

So funktioniert Sleepio

Zuerst wird mittels eines Online-Tests der persönliche Schlaf-Score ermittelt.

Dann werden Patienten von einem Avatar, „The Prof“ genannt, durch sechs virtuelle Sitzungen mit einer Dauer von rund 20 Minuten geleitet. Anhand von mehreren Fragen reagiert das KVT-basierte Programm individuell auf die Bedürfnisse und Probleme der Patienten und kann ihnen so Wege aus der Schlaflosigkeit weisen.

Die Patienten sollen ein Schlaftagebuch führen und ihre Fortschritte darin dokumentieren. Unterstützung bekommen sie auf Wunsch von anderen, bereits fortgeschrittenen Teilnehmern.

Wie gut wirkt Sleepio?

Sleepio wurde inzwischen in mehreren klinischen Studien getestet.

In einer ersten placebokontrollierten Studie erwies sich die Online-KVT als signifikant wirksamer: 76% der Studienteilnehmer erreichten damit einen gesunden Schlaf.[3]

In einer aktuellen Studie wurde nun an 1711 Teilnehmern untersucht, ob das Programm auch Auswirkungen auf die funktionelle Gesundheit, das psychische Wohlbefinden und die schlafbezogene Lebensqualität hat.[4]

Die Teilnehmer wurden dafür von einem webbasierten Tool randomisiert auf zwei Gruppen verteilt:

  • Die einen durften sich eine Broschüre zur richtigen Schlafhygiene herunterladen (Kontrollgruppe). Ihnen wurde nach einem halben Jahr Sleepio angeboten.
  • Die anderen bekamen von Anfang an einen Onlinezugang für Sleepio, den sie zwölf Wochen lang nutzen konnten.

Das Ergebnis der Studie:

Der globale Gesundheitszustand hatte sich nach Angaben der Patienten nicht wesentlich verändert.

Verbessert hat sich das psychische Wohlbefinden: Der WEMWBS-Wert stieg mit der Online-KVT von 43,1 auf 48,6 Punkte, mit der Broschüre nur auf 45,3 Punkte. Die Effektstärke war mit 0,38 aber doch eher gering.

Erhebliche Unterschiede zeigten sich bei den Insomnie-bedingten Beeinträchtigungen. So sank der GSII-Wert in der KVT-Gruppe innerhalb eines halben Jahres von 88 auf 43 Punkte, mit der Broschüre nur auf 63 Punkte.

Depressionen, Ängste, Müdigkeit und kognitive Probleme waren nach einem halben Jahr mit der Online-KVT geringfügig schwächer ausgeprägt als mit der Broschüre. Die Fatigue reduzierte sich deutlich stärker.

Mein Fazit

Grundsätzlich können Online-Verhaltenstherapien sicher eine ganz gute Option für Menschen sein, die die sich sonst keiner zeitintensiven persönlichen Psychotherapie unterziehen würden.

Sleepio hat in der jüngsten Studie gezeigt, dass das Programm den Schlaf deutlich verbessern kann. Der Effekt darüber hinaus auf das psychische und körperliche Wohlbefinden hingegen hält sich allerdings in Grenzen. Ob sich die Teilnahme an Sleepio nun am Ende rechnet, muss jeder Teilnehmer für sich selbst entscheiden.

 

[1] Schlack R et al. Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) Bundesgesundheitsbl 2013;56:740–748

[2] Grandner M et al. Problems associated with short sleep: bridging the gap between laboratory and epidemiological studies. Sleep Med Rev 2010;14:239–247.

[3] Espie et al. (2012) SLEEP;35(6).

[4] Colin A. et al. Effect of Digital Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia on Health, Psychological Well-being, and Sleep-Related Quality of Life JAMA Psychiatry. Published online September 25

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