Anodyne, MyPosture, Percko, Angel Shirt. Superman-Shirts die Rückenschmerzen verhindern (wollen) gibt es schon lange. Hightech-Bekleidung gegen Verspannungen, Schmerzen, Verletzungen. Die Ursache des Übels ist uns allen bekannt: stundenlanges Sitzen im Büro, in der Regel verbunden mit einer schlechten Körperhaltung.

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Women’s Posture Shirt 2.0; ©Anodyne ApS, Bremen

Ein haltungskorrigierendes T-Shirt soll Abhilfe schaffen. Indem es den Rücken optimal unterstützt, die Schultern nach hinten zieht und das Bewusstsein für eine aufrechte Körperhaltung erhöht. Schöne Nebenwirkung: ein leichter Shaping-Effekt. Wir haben es getestet. Die Firma Anodyne war so nett uns ein Shirt zur Verfügung zu stellen.

Unser Fazit: Shirt an, Schmerzen aus funktioniert leider nicht. Im Alltag ist es eine gute Ergänzung, die die Achtsamkeit für eine bessere Körperhaltung unterstützt. Schaden kann das ja nicht und unangenehm zu tragen ist das Shirt auch nicht. Wer mehr dazu erfahren will, dem sei dieser Galileo-Test empfohlen.

re.adjustme – Eine neue Generation Wearables?

Kommt jetzt eine neue Generation von T-Shirts, die Rückenschmerzen verhindern wollen? Studenten der Freien Universität Berlin haben – nach eigenen Aussagen – ein solches Wearable zur Minderung von Rückenbeschwerden entwickelt. Das System basiert auf dem Prinzip „intelligente Kleidung“. Wie die bisher bekannten Shirts wird es unter der Alltagskleidung getragen. Der Unterschied zu den Bisherigen: Eine in das Kleidungstück integrierte Sensorik sammelt die Bewegungsdaten des Trägers. Diese werden in einer App dargestellt und von einem Algorithmus in Echtzeit analysiert. Push-Nachrichten sollen den Träger an einen Haltungswechsel erinnern oder geben Aufschluss über das Bewegungsverhalten. Damit soll dafür gesorgt werden, dass er/sie sich wieder richtig rückengerecht bewegt.

Unterstützt wird das Projekt von der AOK Nordost. Laut Dr. Matin Gersch, Professor für BWL an der FU Berlin, handelt es sich bei dem Projekt um „ein tolles Beispiel für die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen mit zukünftigen Lösungen im Internet der Dinge“.

Prototyp fertig und funktionsfähig

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Mit freundlicher Genehmigung von re.adjustme: Die Gründer Maximilian Görgner, Fabian Rappert und Arik Braun.

Der Prototyp steht. Im nächsten Schritt soll es an die Feinarbeit gehen. Das Shirt muss so „programmiert“ werden, dass es jedermann/frau passt. Dann heißt es im Gesundheitsmarkt Fuß fassen. Dabei wird sicher das Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums helfen. Und auch das Interesse der Charité Berlin. Die möchte das Shirt bei der Durchführung von Bewegungsanalysen bei Alzheimer-Patienten einsetzen. Um so einen Aufschluss über den Behandlungsverlauf zu erhalten.

Im nächsten Schritt sollen die Produktfeatures durch wiederholte Anwendung des gleichen Prozesses ausgetestet werden. Dann wird der Prototyp weiter entwickelt und die Marke aufgebaut.

Mein Fazit

Ein langer Weg steht den erfinderischen Studenten der FU Berlin noch bevor. Und auch hier sprechen wir nicht von einem Therapeutikum. Anziehen, Tragen, schmerzfrei wird auch hier nicht funktionieren. Für mich sieht es eher nach einem diagnostischen Hilfsmittel aus. Das ist auch der Ansatz, der für die Charité interessant ist. Sport und mehr Bewegung – bewusst, diszipliniert und kontrolliert – kann auch dieses T-Shirt nicht ersetzen. Vermutlich aber verbessern.

Die Gründer wollen in fünf Jahren ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut haben und damit einen wichtigen Teil zur gezielten Therapie von Patientenbeschwerden beitragen. Wir drücken auf jeden Fall die Daumen.

P.S. Eine Studie  der University of Illinois hat außerdem 2014 belegt, dass zu langes Sitzen nicht nur Rückenschmerzen verursacht sondern auch die Hirnaktivität einschränkt. Da kann uns auch kein T-Shirt helfen. Man sollte also einen zu bequemen Tagesablauf grundsätzlich vermeiden und zwischendurch Bewegungseinheiten einbauen.

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