Es geht blitzschnell, dass man umknickt und ruckzuck ist der Knöchel dick. Im schlimmsten Fall zerreißt man sich dabei sogar die Bänder am Sprunggelenk. Das Start-up Betterguards hat ein System entwickelt, das Gelenke schützen soll.

Die Idee hinter Betterguards

Das Problem beim Umknicken ist ja, dass der Muskel viel zu langsam reagiert, um eine entsprechende Gegenkraft zu entwickeln und so das Gelenk zu stabilisieren. Gesucht wurde also eine Lösung, die diese zeitliche Lücke überbrückt.

„Ich habe mir beim Sport mehrfach schlimme Bänderverletzungen zugezogen, die meinen Traum, Profisportler zu werden, zunichtegemacht haben. Deshalb wollte ich etwas gegen Gelenkverletzungen erfinden und vielen Menschen dieses Leid ersparen. So entstand meine Mission, Gelenkverletzungen in die Geschichtsbücher zu verbannen.“, so Vinzenz Bichler, Hauptgründer von Betterguards.

Das Betterguards Gründer-Team (v.l.n.r.): Timo Stumper, Vinzenz Bichler und Max Müseler © Thomas Koehler/ photothek.net

Die Idee zur Lösung lieferte das Wissen um den Effekt, dass flüssiger Kunststoff schnell hart wird, wenn man ihn rasch, also mit entsprechendem Druck in eine Form presst. Im Fachjargon heißt das Scherverdickung. Und eben diesen, an und für sich unerwünschten Effekt, hat man sich bei Betterguards zunutze gemacht.

Die Herausforderungen an das System:

  1. Es soll dadurch die Bewegung nicht eingeschränkt werden.
  2. Es darf nicht frühzeitig blockieren.
  3. Und es muss vor allem – anders als ein Airbag – immer wieder neu reagieren können.

Die Lösung ist so einfach wie genial und sie hat mit Zauberei natürlich nichts zu tun.

Wie funktioniert Betterguards genau?

Ein kleiner Stab, der mit einer speziellen, schnell härtende Flüssigkeit gefüllt ist, wird zwischen zwei Fixpunkten im Schuh eingebaut. Knickt man mit dem Fuß um, wird der dabei entstehende Druck über den Stab auf die in ihm befindliche Flüssigkeit übertragen, die daraufhin in weniger als 20 Millisekunden hart wird. So schnell kann der Körper selbst nicht reagieren. Aufgrund der blitzschnell einsetzenden stabilisierenden Schutzfunktion wird ein kritisches Überstrecken des Gelenks – und eine daraus resultierende Gelenkverletzung – bestmöglich verhindert. Und das besondere daran: Anschließend ist das System wieder frei beweglich und sofort weiter einsetzbar.

Wo kann das Betterguards System überall eingebaut werden?

Neben Schuhen gibt es auch die Möglichkeit das Betterguards System in Handschuhe zu integrieren. So soll es das Handgelenk vor Überstrecken und Aufprallverletzungen schützen. Das System kann aber grundsätzlich auch in Bandagen, Orthesen, und sogar in Socken integriert werden, wie man auf der Website erfährt.

Aktuell ist zwar noch kein Produkt mit dieser Technologie auf dem Markt. Aber das Unternehmen Juzo ist bereits Partner und wird Ende des Jahres eine Sprunggelenkbandage mit integriertem Betterguards System auf den Markt bringen.

Fazit und Ausblick

Auch wenn die Idee ursprünglich aus dem sportlichen Bereich kam, so ist sehr gut vorstellbar, dass von Betterguards auch ältere, sturzgefährdete Menschen profitieren können. Deshalb haben wir explizit bei Betterguards danach gefragt.

Und tatsächlich gibt es für die Sturzprävention auch schon verschiedenen Ideen für die Zukunft wie zum Beispiel der Einsatz in Rückenorthesen oder die Möglichkeit, die Technologie bzw. die Funktion in Textil einzuweben. Immer mit demselben Ziel: Bewegungsfreiheit bei normalen Bewegungen und Schutz bei kritischen, schnellen Bewegungen. Eben wie ein Sicherheitsgurt im Auto.

In Seniorenheimen befinden sich ja bereits verschiedenste Systeme als Trochanter-Schutz im Einsatz. Meist handelt es sich dabei um spezielle Hosen mit eingebauten Protektoren. Es gibt auch schon eine Art Hüft-Airbag, über den wir an anderer Stelle bereits berichtet haben. Aber das Betterguards System erscheint mir als die derzeit smarteste Lösung. Daher drücken wir den Gründern die Daumen, dass sie bald entsprechende Partner finden.

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