Über das erste Mini-Ultraschall-Gerät Butterfly IQ hatte mein Mit-Blogger Julian vor etwas mehr als einem Jahr hier auf HealthcareHeidi bereits berichtet1. Sein Fazit damals: Eine clevere Idee, die sich unter Real-World-Bedingungen noch beweisen muss.

Das Butterfly IQ hat sich inzwischen mehrfach bewiesen. Im Einsatz unter extremen Bedingungen auf dem afrikanischen Kontinent. Dort bringt der tragbare Ultraschall-Scanner in Verbindung mit einem Smartphone medizinische Bildgebung zum ersten Mal in die Dörfer.

Globale Medizin für die ärmsten Länder der Welt

Diagnostische Bildgebung ist sehr teuer, schwer zu transportieren und erfordert eine zuverlässige Energiequelle. Für kleine, unterversorgte Dörfer in Entwicklungsländern ist somit der Zugang zu lebensrettenden Diagnosetools schwierig. Butterfly IQ hat die Technologie so verkleinert, dass sie mit einem Mobiltelefon genutzt werden kann. Was die Bereitstellung für Kranke in entfernten Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas erheblich vereinfacht. Wo das nächste Röntgengerät möglicherweise Stunden entfernt ist. Von einem CT- und MRI-Scanner gar nicht zu reden.

Ultraschall Diagnostik-HealthcareHeidi-03
©Butterfly iQ

Ultraschall auf dem Chip

Ultraschallgeräte können, je nach Komplexität, zwischen 10.000 und 200.000 US-Dollar pro Gerät kosten. Das Ultraschallgerät von Butterfly iQ kostet knapp 2.000 US-Dollar. Plus eine monatliche Gebühr für die App, mit der die Bilder mithilfe von künstlicher Intelligenz interpretiert werden.

Statt Quarzkristallen, die in herkömmlichen Ultraschall-Geräten verwendet werden, verwendet Butterfly IQ Mikrochips. Das Gerät selbst ist etwa so groß wie ein Elektrorasierer und Batterie betrieben. Ein Gerät, das also in die Jackentasche passt und so tragbar ist, wie ein Stethoskop.

Der Schmetterling kann Leben retten

Die Symptome: anhaltender Husten, geschwollene Lymphknoten, müde. Die Diagnose: Tuberkulose, Malaria, HIV? Oder doch eine Lungenentzündung? Eine konkrete Diagnose war bisher nicht möglich, Leben rettende Maßnahmen damit schwierig. Der Ultraschall-Scan auf dem Smartphone zeigt nun eindeutig: Wasser in der Lunge. Die Diagnose kann also gesichert werden – Lungenentzündung im Frühstadium; eine entsprechende Therapie kann eingeleitet werden.

13 Ultraschall-Geräte hat das Unternehmen an medizinische Wohltätigkeitsverbände in den ärmsten Ländern der Welt gespendet. Sieben davon in Afrika. Zurzeit werden die Scanner primär zur Diagnose von Lungenentzündung eingesetzt. Der häufigsten Todesursache bei Kindern in armen Ländern, weil häufig fehldiagnostiziert.

Ultraschall Diagnostik-HealthcareHeidi-03
©Butterfly IQ

Butterfly IQ wurde in der Kategorie Gesundheit mit dem World Changing Ideas Award 20192 und dem SXSW Interactive Innovation Award3 ausgezeichnet. Unternehmen wie Fidelity und Fosun Pharma, die Bill & Melinda Gates Foundation sowie der Gründer von York Capital Management, Jamie Dinan, unterstützten die Entwicklung in 2018 mit Spenden in Höhe von 250 Millionen US-Dollar.

Mein Fazit

Kurz: Nicht nur clever. Genial! Und bezahlbar. Meines Erachtens auch für private medizinische Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder das Internationale Rote Kreuz. Ab Sommer ist der Scanner wohl auch außerhalb der USA erhältlich.

Hinter diesem Link findet ihr noch einen schönen Beitrag aus der New York Times.


1 http://www.healthcareheidi.de/2018/02/27/ultraschall-to-go/

2 https://www.fastcompany.com/90329244/world-changing-ideas-2019-all-the-winners-finalists-and-honorable-mentions

3 https://www.sxsw.com/news/2019/announcing-the-2019-winners-of-the-interactive-innovation-awards/

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