In Deutschland sind etwa eine halbe Million Menschen aufgrund einer Epilepsie in haus- oder fachärztlicher Behandlung.[1] Trotz vielfältiger medikamentöser Behandlungsoptionen haben aber etwa 30% der Patienten Probleme mit epileptischen Anfällen. Vor allem die nächtlichen Anfälle können sehr gefährlich und unter Umständen sogar tödlich sein. Das Unternehmen Livassured vertreibt ein intelligentes System namens NightWatch, das epileptische Anfälle im Schlaf erkennt.

So funktioniert NightWatch

NightWatch zählt zu den sogenannten Wearables. Es ist ein Messsystem mit eingebauten Sensoren, das am Oberarm getragen wird, und das Veränderungen des Herzrhythmus und der Bewegungen im Schlaf erfasst. Intelligente Algorithmen erkennen klinisch dringende Anfälle und übertragen diese Information über ein drahtloses DECT-Signal an die Basisstation, die bis zu 15 Meter vom Patienten entfernt stehen kann.

Einsatzmöglichkeiten von NightWhatch

Im häuslichen Umfeld kann das System daher vor allem Eltern betroffener Kinder entlasten.

Aber auch erwachsenen, allein lebenden Menschen mit einem Anfallsleiden kann es helfen, möglichst eigenständig ohne Begleitung zu wohnen. Dafür gibt es ein spezielles (optionales) GSM-Modul mit dem bis zu 5 Rufnummern von ausgewählten Personen bei klinisch dringenden Anfällen automatisch angerufen werden können. Darüber hinaus ist dieses Modul mit einer Notruftaste ausgestattet, die der Träger für sofortige Hilfe im Bedarfsfall selbst betätigen kann.

Kind schläft mit NightWatch am Arm
©Livassured

Neben der Anwendung zu Hause kann das System auch in der Klinik oder in Heimen gute Dienste leisten. Die Basisstation ist standardmäßig für den Anschluss an alle Pflegerufsysteme vorbereitet, um dringende Anfälle direkt an das Pflegepersonal weiterzuleiten.

Das tragbare Alarmsystem mit Basisstation © Livassured B.V._HealthcareHeidi
Das Wearable mit Basisstation ©Livassured

Wer hat’s erfunden?

NightWatch wurde von den Tele-Epilepsie-Zentren der Niederlande (Kempenhaeghe und SEIN) in Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen sowie dem Uniklinikum Utrecht und der TU/Eindhoven entwickelt.

Vertrieben wird es aktuell von Livassured.

©Livassured

Wie zuverlässig arbeitet NightWhatch?

In den Jahren 2017 und 2018 wurde eine klinische Studie[2] durchgeführt, die folgende Ergebnisse gezeigt hat:

NightWatch registrierte frühzeitig 96% aller tonisch-klonischen Anfälle und 80% aller anderen klinisch dringenden Anfälle.

Eine Gruppe von 34 Patienten mit monatlich mehr als einem nächtlichen, klinisch dringenden Anfall trug im Rahmen der Studie drei Monate lang das NightWatch-Armmodul, dass den Herzrhythmus (Photoplethysmographie) und Bewegungen (3D-Accelerometrie) registrierte. Alle Anfälle wurden mithilfe von Video und Audio klassifiziert.

Über einen Zeitraum von insgesamt 1826 Nächten wurden 809 klinisch dringende Anfälle beobachtet. Zu den klinisch dringenden Anfällen zählen tonisch-klonische Anfälle, tonische Anfälle über 30 Sekunden, hyperkinetische und geclusterte myoklonische Anfälle.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die eine gängige Sensor-Bettmatte verwendete, konnte nachgewiesen werden, dass die Bettmatte von 10 solchen Anfällen lediglich 3 erkannte, während NightWatch 9 von 10 derartiger Anfälle detektierte.

Die involvierten Betreuer gaben im Vergleich zur Kontrollgruppe in entsprechenden Fragebögen an, dass NightWatch einfach im Gebrauch ist, mehr Ruhe und Freiheit bietet und früher reagiert, wenn dringende Hilfe erforderlich ist.

Und sonst?

NightWatch ist einfach in der Handhabung, da das System nicht eingestellt werden muss, sondern unmittelbar selbständig funktioniert.

Nach Angaben von Livassured ist es derzeit das zuverlässigste System auf dem Markt. Somit kann es Betreuungspersonen wie Eltern oder Pflegekräfte erheblich entlasten. Und durch NightWatch wird bereits in einem frühen Stadium angemessene Hilfe möglich.

[1] https://www.epilepsie-vereinigung.de/epilepsie/krankheitsbild/haufigkeit/

[2] Arends J et al. Multimodal nocturnal seizure detection in a residentional setting: a long term prospective trial. Neurology 2018; online

Share