Stell dir vor, du liegst mit einem Kreislaufstillstand bewusstlos am Boden und keiner hilft dir. Dabei zählt jetzt jede Minute. Aber aus Angst, etwas falsch zu machen, unternehmen viele Menschen einfach nichts. Eine neu entwickelte, mit Sensoren ausgestattete Trainingsmatte namens Rescue Aid soll unausgebildeten Ersthelfern die Durchführung der Herzdruckmassage als lebensrettende Maßnahme künftig erleichtern. Ein akuter Kreislaufstillstand ist ein echtes Schreckensszenario. Denn etwa 10.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich in Folge eines Herz-Kreislaufversagens. Und das, obwohl sie mit entsprechenden Sofortmaßnahmen gerettet werden könnten! Das Problem ist, dass viele Menschen schlichtweg Angst haben, Fehler zu machen. Oder sie wollen helfen, üben aber die potenziell lebensrettende Herzdruckmassage nicht richtig aus.

Eine neue Erfindung könnte Ersthelfern künftig die Scheu vor der Rettungsmaßnahme nehmen: Rescue Aid.

Ein Fraunhofer-Forscherteam hat das smarte Erste-Hilfe-Tool mit integrierter Sensorik gemeinsam mit Studierenden der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München entwickelt.

So funktioniert Rescue Aid

Rescue Aid ist eine smarte Matte, die dem menschlichen Torso nachempfunden ist, und die man auf den Oberkörper der bewusstlosen Person auflegt. Smart wir die Reanimationsmatte durch integrierte, sternförmig angebrachte Verformungssensoren aus Silikon, die  die Drucktiefe messen. Durch den Druck der Hand verformen sich die Sensoren, diese registrieren den Verlauf des Druckvorgangs. Die Sensoren sind per Kabel mit einer Elektronik und LEDs verbunden, die sich in einem Kästchen am oberen Mattenrand befinden und durch einen Lichtcode anzeigen, ob ausreichend gedrückt wird. Dies ist der Fall, wenn die grünen LEDs aufleuchten. Je stärker der Druck ausfällt, desto mehr Lampen leuchten auf. Verschiedene rote LEDs signalisieren, dass der Druck zu stark war. Die Elektronik steuert die LEDs. So kann der Helfer die Drucktiefe seiner Hände permanent überprüfen und gegebenenfalls korrigieren. Ein akustisches Signal gibt zudem den Rhythmus der Kompression vor. Der Tongenerator befindet sich ebenfalls in dem Kästchen.

In Tests mit einer Puppe, die man für Wiederbelebungstrainings verwendet, zeigte sich, Rescue Aid funktioniert. Die Matte liegt derzeit noch als Demonstrator vor. Sie soll aber optimiert und an unterschiedliche Personengrößen angepasst werden.

Welchen Nutzen bietet Rescue Aid?

  1. Kein direkter Körperkontakt erfoderlich. Man legt die Matte einfach auf den Oberkörper der bewusstlosen Person auf. Das kann eine mögliche Berührungsangst des Helfers mindern.
  2. Kaum Verletzungsgefahr für die Helfenden. Die Sensoren bestehen aus einer weichen Folie und können daher keine Verletzungen auslösen – ein Vorteil gegenüber den wenigen am Markt verfügbaren Produkten, die starr sind und bei der Reanimation Schmerzen in den Handballen verursachen.
  3. Kostengünstige Herstellung. Aufgrund des technologischen Ansatzes und der einfachen Elektronik lässt sich die Reanimationsmatte kostengünstig fertigen.

„Wir können uns gut vorstellen, dass Rescue Aid künftig fester Bestandteil eines Erste-Hilfe-Sets ist“, sagt Dr. Holger Böse, wissenschaftlich-technischer Leiter des Center Smart Materials am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg.

Mein Fazit

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es doch einige Überwindung kostet einen fremden Menschen bei einer Herzdruckmassage so zu berühren, dass es zielführend ist, weil man fester drücken muss, als man denkt. Der schmale Grad zwischen retten und Rippen brechen ist schwer einzuschätzen, vor allem wenn so etwas nur (hoffentlich) in seltenen Außnahmesituationen vorkommt. Rescue Aid ist eine innovative Lösung, Menschen die Durchführung der Herzdruckmassage wesentlich zu erleichtern. Momentan kennen wir noch keinen Preis. Aber wenn die Matte bezahlbar ist, dann sollte sie wirklich integraler Bestandteil aller Erste-Hilfe-Sets sein und ich hoffe, dass dann weniger Menschen „Angst“ vor Reanimationen haben.

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