Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Über 70.000 Mal im Jahr wird die Diagnose Mammakarzinom gestellt, mehr als 17.000 Frauen sterben jährlich daran. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, besonders ab dem 40./50. Lebensjahr. Rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die meisten Brustkrebserkrankungen heilbar.1

Die Zahl der Sterbefälle sinkt seit Jahren, trotz steigender Anzahl Neuerkrankungen. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft ist die Heilungsrate in den letzten 10 Jahren durch eine verbesserte Früherkennung, neue Therapiekonzepte und die interdisziplinäre Betreuung gestiegen.1

Die taktile Brustkrebs Vorsorge

Die Früherkennung ist der Dreh- und Angelpunkt für den Erfolg der Behandlung und damit für die Überlebenschance. Hier setzt die taktile Brustkrebs Vorsorge an, die ausschließlich in gynäkologischen Praxen bzw. Kliniken stattfindet. Die Medizinisch-Taktile Untersucherin ertastet detailliert, was von der Homogenität des normalen Brustgewebes abweicht. Alles wird genau dokumentiert, bei Auffälligkeiten an den Arzt/die Ärztin weiter geleitet.

Die Initiative „discovering hands“

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Brustkrebs Vorsorge: Taktile Brustuntersuchung
©discovering hands

Die taktile Brustkrebs Vorsorge ist ein Projekt der Initiative discovering hands, die durch den Duisburger Frauenarzt Dr. med. Frank Hoffmann ins Leben gerufen wurde. Sie nutzt den überlegenen Tastsinn blinder bzw. sehbehinderter Frauen.

In einer neunmonatigen Ausbildungsphase werden die Frauen zu Medizinisch-Taktilen Untersucherinnen (MTUs) ausgebildet. Zytologie, Histologie, Anatomie, Physiologie, Pathologie … . An die Theoriephase schließt sich ein Praktikum in gynäkologischen Kliniken und Praxen an.

Eine geschulte MTU kann Knoten von 6 bis 8 Millimeter Durchmesser finden! Zum Vergleich: Bei der Selbstuntersuchung können Frauen einen Knoten mit einem Durchmesser von ca. 2,5 Zentimeter ertasten, der Arzt i. d. R. 1 bis 2 Zentimeter.

Die Kosten sind überschaubar und werden insbesondere von den Betriebskrankenkassen übernommen. Unterstützt wird das Projekt unter anderen von Pink Ribbon Deutschland. Es wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, so z. B. durch die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“, einer Initiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft.

Die Effektivität der Methode wurde durch die Frauenklinik der Universität Erlangen erstmalig untersucht und die Ergebnisse kürzlich im Fachmagazin „BreastCare“ veröffentlicht.2

Mein Fazit

Krebsfrüherkennungsangebote sind in Deutschland nicht optimal. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Das Mammografie-Screening wird erst für Frauen ab 50 Jahren angeboten, eine präventive Mammografie ist vorher nicht vorgesehen. Die Brusttastuntersuchung wird von jedem Gynäkologen unterschiedlich durchgeführt. Gefühlt unter Zeitdruck.

Ich selbst habe aufgrund meiner familiären Situation eine hohe Wahrnehmung für das Thema und habe die Taktilographie selbst ausprobiert. Die MTU hat sie gewissenhaft durchgeführt, hat sich Zeit genommen und jeden Zentimeter der Brust sorgfältig abgetastet. Für mich persönlich ist es ein sehr beruhigendes Gefühl, dass sich jemand wirklich Zeit genommen hat, in Ruhe die Untersuchung durchzuführen. Ich verstehe, dass der Gynäkolge/die Gynäkologin diese Zeit nicht hat. Ich verstehe allerdings nicht, warum nicht mehr Praxen dieses Angebot ihren Patientinnen ermöglichen.

Die Untersuchung kostet 50€. Nicht viel Geld für mehr Chance auf Heilung durch frühes Erkennen. Discovering Hands Praxisfinder


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1 Deutsche Krebsgesellschaft

2 Diagnostic Accuracy of Breast Medical Tactile Examiners (MTEs): A Prospective Pilot Study

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