Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die führende Todesursache in Deutschland. Sie sind mit erheblichen Krankheitsfolgen verbunden und verursachen hohe Kosten. Männer sind häufiger von Herzinfarkt, Koronarer Herzerkrankung und Schlaganfall betroffen als Frauen (Quelle: RKI, Berlin).

Das Herz erholt sich nach einem Herzinfarkt nicht mehr voll umfänglich

Dank der guten Notfallversorgung überlebt die Mehrheit der Betroffenen einen Herzinfarkt. Jedoch: ganz erholen tut sich das Herz von diesem Ereignis nicht. Durch den Verschluss eines Herzkranzgefäßes kommt es zur Schädigung des nicht mehr durchbluteten Herzmuskelgewebes. Verletztes Gewebe bleibt grundsätzlich zurück und kann zu mehr oder minder schweren Folgeerkrankungen, wie Herzrhythmusstörungen oder Herzmuskelschwäche, führen. Je nach Umfang des geschädigten Gewebes kann die Herzwand reißen.

Herzpflaster soll die Lösung sein

Ein innovatives Herzpflaster aus künstlich gewonnenem Gewebe kann, so die Forscher des DZHK (Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.) die Lösung sein und die Herzfunktion nach einem Infarkt langfristig verbessern.

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Um den Herzmuskel zu reparieren, überbrücken die Forscher das beschädigte Gewebe mit sogenannten Herzpflastern. Sie werden aus kontraktionsfähigen Herzmuskelzellen zu einem spontan schlagenden Herzmuskelflicken im Labor vorgezüchtet. Diese, auch als „Engineered heart tissue“ (EHT) bezeichneten Gewebe, werden in einem chirurgischen Eingriff auf die Oberfläche des Herzens aufgebracht, wachsen dort an und bilden neues Herzgewebe.

Studie mit schwer kranken Herzpatienten für 2020 geplant

Das Aufbringen von Herzpflastern wurde bereits erfolgreich an Tieren getestet. Es ist, laut Professor Dr. med. Thomas Eschenhagen, Vorstandsvorsitzender des DZHK und Institutsdirektor am Zentrum für experimentelle Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, zwar aufwendiger als die Zellinjektion, hat aber den Vorteil, dass keine Zellen abgeschwemmt werden und  keine Herzrhythmusstörungen auftreten. Ein weiterer  Vorteil ist, so Eschenhagen, dass sich die Kontraktionskraft des neuen Gewebes bereits vor der Implantation überprüfen lässt.

Erste Herzpflaster sollen bereits 2020 an Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz getestet werden.

Mein Fazit

Sicher bleiben noch einige Fragen offen, die in Studien geklärt werden müssen. So etwa die nach dem Langzeitverlauf eines derartigen Eingriffs oder inwieweit das Risiko besteht, dass das implantierte Gewebe abgestoßen wird. Statistisch gesehen sterben heute innerhalb von zwei Jahren nach einem Herzinfarkt 5-10% der Betroffenen (BDI). Ein Pflaster, das die Herzfunktion nach einem Infarkt langfristig verbessern kann, wäre also mehr als genial. Ein möglichst früher Start der Studien ist nur zu begrüßen.


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