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Vom 7. bis 10. Januar fand wieder die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas statt. Digital Health spielt dort eine immer größere Rolle. Als der wahrscheinlich „nerdigste“ Autor hier auf diesem Blog berichte ich heute über – zugegeben völlig subjektiv ausgewählte – Innovationen aus dem Healthcare-Bereich, die dort präsentiert wurden.

„Fernüberwachungsprodukte, Wearables und Diagnoselösungen sind allesamt neue Technologien, die den heutigen Lebensstil prägen. Wenn es darum geht, auf dem neuesten Stand zu bleiben, gibt es keinen Ort wie CES für einen digitalen Gesundheitsdownload. Von Fitbit bis Phillips ist die CES der einzige Ort, an dem das gesamte digitale Gesundheits-Ökosystem an einem Ort zusammenkommt.“, so vollmundig teasert die Website der diesjährigen CES zu diesem Thema.

#1 CES: Ziemlich kleinstes MRT-Gerät

Wer schon mal in einem MRT lag, weiß, was für monströse Geräte das sind, und was für ohrenbetäubende Geräusche diese Ungetüme machen, die man ohne Kopfhörer kaum ertragen kann. Ein neues und vergleichsweise winziges MRT-Gerät hat nun das US-amerikanische Unternehmen Hyperfine vorgestellt. Dank eines minimalen Magnetfeldes können in wenigen Minuten direkt vor Ort Scans vom Gehirn angefertigt werden, die diagnostische Basisfragen beantworten.

Beeindruckend neben der Größe des Geräts ist die Tatsache, dass keinerlei Schutzwände nötig sind und kaum ein Geräusch zu hören ist. Während der Untersuchung soll man die Armbanduhr an-, Piercings drin behalten und das Handy in der Hosentasche lassen können. Und man braucht keinen Kopfhörer. Mit herkömmlicher MRT-Technik ist das nicht möglich. Hyperfine ersetzte den rotierenden Elektromagneten der Standard-MRT-Geräte durch zwei permanente Magneten über- und unterhalb des Kopfes. Die müssen nicht gekühlt werden, und sie erzeugen ein minimales Magnetfeld von nur 64 mTesla. Klinisch übliche MRT-Geräte arbeiten mit im Vergleich dazu mit 1,5 oder 3 Tesla. Natürlich erreicht die Aufnahmequalität dabei nicht annähernd das Niveau moderner Hochleistungsmaschinen. Aber laut Hersteller reicht die Bildqualität für wichtige Fragen zunächst einmal aus. Erkennbar sind wohl Blutungen, erweiterte Liquorräume und auch Tumore. Und das schon nach wenige Minuten Scan-Zeit.

Fun Fact: Hyperfine ist übrigens das Schwesterunternehmen von Butterfly, das kürzlich ein innovatives und ebenfalls recht preisgünstiges mobiles Mini-Ultraschallgerät entwickelt hat. Meine Mit-Bloggerin Elke hatte schon darüber berichtet. Beide Companies sind aus der erfolgreichen Unternehmensschmiede 4Catalyzer hervorgegangen.

Unser Fazit: Wir sind ziemlich begeistert von dem kleinen Ding. Hilfreich ist diese Innovation gewiss für Länder und Konstellationen, in denen kein MRT-Gerät zugänglich oder seine Anschaffung zu teuer ist. Denn mit einem angestrebten Verkaufspreis von unter 100.000 US-Dollar ist das auch eine wirklich attraktive Innovation. Vorstellbar ist der Einsatz aber auch bei uns in Notfallsituationen direkt vor Ort beim Patienten, z. B. wenn der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht, aber eine Stroke Unit zu weit weg ist, und eine schnelle, u. U. lebensrettende medizinsche Entscheidung getroffen werden muss.

#2 CES: Handliches Device für bessere Ferndiagnosen

MedWand © MedWand Solutions

Obwohl Fernbehandlungen in Deutschland erlaubt sind, müssen die Patienten nach wie vor in die Arztpraxis kommen, wenn Untersuchungen zur Diagnostik nötig sind. Dafür will das Unternehmen MedWand Solutions Abhilfe schaffen. Es hat ein kleines Gerät namens MedWand entwickelt, das Ferndiagnosen deutlich besser und präziser machen soll. Das etwa Gänseei-große Gerät beherbergt eine ganze Reihe von Sensoren zur Messung von Vitalwerten sowie zur Untersuchung und Analyse unterschiedlicher Körperfunktionen (EKG, Sauerstoffsättigung, Lungenauskultation, Fiebermessung, abdominelle Auskultation, Inspektion von Nase, Rachen und Ohren oder der Haut). Der virtuelle Kontakt zum Arzt erfolgt über eine zum Gerät gehörende App und einen Link mit einer sicheren Verbindung. Der kontaktierte Arzt muss seinerseits über die technische Ausstattung verfügen, um die mit dem MedWand erfassten Daten auszuwerten. Das Device soll in den USA 2020 an den Start gehen. Ob und ggf. wann es auch in anderen Ländern zum Einsatz verfügbar ist, ist aktuell noch nicht bekannt.

Meine Meinung: In ländlichen Gegenden, die besonders vom Ärztemangel betroffen sind, werden bereits Patientenbusse eingesetzt, um die Patienten zu ihren Ärzten zu bringen. Das ist aufwändig und kostspielig. Diese sowie auch ältere, immobile Patienten im urbanen Raum könnten künftig von solchen Geräten profitieren und das Gesundheitssystem entlasten. Allerdings: Die „soziale Komponente“ eines realen Arztbesuchs ist gerade für ältere und von Einsamkeit bedrohte Menschen nicht zu unterschätzen. Wie immer bei Innovationen wird erst der breite Einsatz den wahren Netto-Nutzen zeigen können.

#3 CES: Hybrid Smartwatch erkennt Schlafapnoe und Vorhofflimmern

Schlafapnoe sind zeitweise Atemaussetzer, die dazu führen, dass weniger Sauerstoff in den Blutkreislauf kommt. Eine neue Smartwatch, vom Unternehmen Withings misst mittels SpO2-Sensor, der eine Lichtwelle durch Blutgefäße sendet und absorbiert, während der gesamten Nacht die Sauerstoffsättigung im Blut und erkennt so nächtliche Schlafapnoe-Episoden. Neben der Funktion Sauerstöffsättigung verfügt die Uhr auch über integrierte EKG-Funktion zur Erkennung von Vorhofflimmern.

Wie schon ihr Vorgänger ist auch die Withings ScanWatch ein vollwertiger Aktivitäts- und Workout-Tracker und kann Aktivitäten aufzeichnen, Schritte zählen und den Kalorienverbrauch ermitteln. Die Akkulaufzeit liegt nach Angaben des Herstellers bei bis zu 30 Tagen.

Die ScanWatch wurde von Kardiologen und Schlafexperten entwickelt und ist Withings bislang medizinisch fortschrittlichstes Wearable. Withings ScanWatch wird im zweiten Quartal 2020 verfügbar sein. Die Variante 38mm wird 249 Euro kosten, die größere Version mit 42mm liegt bei 299 Euro. Außerdem kann man sich seine Uhr customizen, denn es soll eine Vielzahl an Farboptionen und austauschbarem Silikon- und Lederarmbänder geben.

Uns gefällt, dass die Uhr auf den ersten Blick wie eine klassische Uhr daher kommt, in die smarte Features eingebaut sind. Nun könnte man denken, wieder ein neues, nices Gadget, was soll’s? Aber Betroffenen bietet die Uhr durchaus einen relevanten gesundheitlichen Nutzen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Sauerstoffuntersättigung des Blutes bei chronischen Lungenerkrankungen oder beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom während der nächtlichen Schlafphasen eng mit dem Auftreten von Vorhofflimmern verbunden ist.[1]

#4 CES: Smarte Windel

Das Unternehmen Pampers hat zusammen mit Logitech und Verily Pampers Lumi, eine App-basierte Windel, entwickelt. Das System besteht aus einem Sensor. Diesen befestigt man vorn an der Windel, der die Bewegungen des Kindes sowie die Feuchtigkeit der Windel misst. Die Daten gibt er an ein gekoppeltes Smartphone in der Nähe weiter. Eine Full-HD-Kamera für die filmische Überwachung des Babys und eine App, auf der alle Daten zusammengeführt werden, gehören ebenfalls zum System. Die Eltern erfahren also, wenn die Windel nass ist, wie lange das Baby geschlafen hat und wie lange es aktiv war. Die Daten werden gespeichert und lassen sich auswerten. Wer will, kann zusätzlich erfassen, wann das Kind gestillt beziehungsweise gefüttert wurde.

Ob die Welt diese Lösung wirklich braucht, sei mal dahin gestellt. Aber das Bespiel „smarte Windel“ zeigt, wie groß das Spielfeld Digital Health inzwischen geworden ist und welche Player sich darauf bewegen.

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