„Unser Labor ist nicht größer als eine Streichholzschachtel“. Das Berliner Start-Up midge medical will die sofortige Blutuntersuchung mittels eines mobilen Bluttest Miniaturlabors möglich machen.

Blutentnahme, Aufbereitung der Probe und Teststreifen sind in ein Device integriert. Ein Klick auf den Knopf aktiviert zunächst die Mikro-Lanzette. Diese punktiert die Haut, um so wenige Tropfen Blut zu gewinnen, die das Miniaturlabor dann aufnimmt. Im Miniaturlabor wird die Blutprobe sofort aufbereitet und auf einen Teststreifen aufgebracht. Das Ergebnis lässt sich im Anschluss per Smartphone-App auslesen und zur Diagnosestellung durch medizinisches Fachpersonal verwenden.

Antikörper basiertes Bluttest System

Das Verfahren basiert auf der Lateral Flow-Technologie, auch Lateral Flow Assay (LFA) genannt. Lateral Flow-Tests vereinen ein antikörperbasiertes Testsystem auf einem einzigen Teststreifen. Sie ermöglichen es, diverse Analyten innerhalb von nur wenigen Minuten nachzuweisen (Antigen-Antikörper-Reaktion). Neben den schnellen Ergebnissen und der einfachen Handhabung liegen die Vorteile in den niedrigen Kosten und der hohen Validität.

Aktuell wird das Miniaturlabor von midge medical für die CRP-Wert Bestimmung eingesetzt. Der CRP-Wert unterscheidet bakterielle von viralen Infektionen. Das Ergebnis kann den Mediziner bei seiner Entscheidung für oder gegen eine Antibiotika-Gabe unterstützen – ohne Zeitverlust.

Perspektivisch soll das Miniaturlabor auch für die Testung von Lungenembolien, Thrombosen, Herzinfarkt oder Infektionskrankheiten wie Malaria, HIV und Ebola zum Einsatz kommen.

Ausblick

Einen Prototypen gibt es bereits. Im nächsten Schritt soll die Serienfertigung und Zulassung folgen.

Im Rahmen der MEDICA App COMPETITION, gefördert durch die Bayer G4A und Roche, wurde midge medical 2019 mit dem dritten Preis für innovative, App-basierte medizinische Lösungen ausgezeichnet1.

Außerdem ist das Berliner Start-up für den 1A-Award nominiert. Der 1A-Award wurde durch das Unternehmen 1A Pharma in Kooperation mit der Medical Tribune und der Deutschen Apotheker Zeitung ins Leben gerufen. Er zeichnet innovative Projekte zur konkreten Verbesserung in der medizinischen Versorgung aus.

Mein Fazit

Im Vergleich zu herkömmlichen Bluttests ist das Mini-All-In-One-System flexibel einsetzbar. Beim Patienten zu Hause, in der Arztpraxis, in der Apotheke. Es ist einfach in der Anwendung und macht praktisch alles alleine. Als steriles Einwegprodukt ist es ohne weitere Lesegeräte nutzbar und liefert – mittels App – schnell das digitale Ergebnis. Damit spart die mobile Lösung durchaus wertvolle Zeit, eine Therapie kann sofort beginnen bzw. ein unnötiger Antibiotikaeinsatz verhindert werden.

Auch die Prüfung von Verdachtsdiagnosen und gängiger Blutparameter für Patienten ist reizvoll. Und erspart unter Umständen die weite Anreise zum nächsten Arzt, wenn mittels Telekommunikation die räumliche Distanz zwischen Arzt und Patient überbrückt werden kann.

Im Hinblick auf Infektionskrankheiten kann insbesondere in Entwicklungsländern der Zugang zu lebensrettenden Diagnosestellungen – und damit einer gesicherten Therapie – ermöglicht werden. Ähnlich dem tragbaren Ultraschall-Scanner, der in Verbindung mit einem Smartphone medizinische Bildgebung in Entwicklungsländer bringt2.

In fünf Jahren wollen die Gründer in jedem zehnten Medizinschrank Deutschlands stehen3. Ist noch ein weiter Weg und es bleibt zu hoffen, dass weitere Investoren mutig genug sind, Wagniskapital für die Forschung, Entwicklung und baldige Serienfertigung zur Verfügung zu stellen.

1 https://www.medica.de/de/Foren_Konferenzen/Foren/MEDICA_CONNECTED_HEALTHCARE_FORUM/MEDICA_App_COMPETITION

2 http://www.healthcareheidi.de/2019/07/09/unendlich-mobil-ultraschall-zum-mitnehmen/

3 https://gruender.wiwo.de/midge-medical-wir-haben-den-bluttest-fuer-jedermann/

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