Die Begutachtung von Mammografie-Bildern im Rahmen des Brustkrebs-Screenings erfolgt derzeit nach dem Vier-Augen-Prinzip. Das kostet Ärzte viel Zeit und ist teuer. Vara, die erste KI-basierte Software, die in Deutschland gerade die Zulassung bekommen hat, will diesen Aufwand erheblich reduzieren.

Das Mammografie-Screening ist ein Programm zur Früherkennung von Brustkrebs, das sich bundesweit an über zehn Millionen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren richtet. Die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Im Jahr 2017 nahmen fast 2,8 Millionen Frauen an dem Mammografie-Screening-Programm teil. Von 1000 Frauen erhalten 970 einen unauffälligen Befund, wie die Kooperationsgemeinschaft Mammografie herausgefunden hat.[1] Diesen enormen Befundungsaufwand zu reduzieren war der Anlass für die Entwicklung von Vara.

Was ist Vara genau?

Das Start-up Merantix Healthcare hat eine auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software entwickelt, mit der Radiologen in der Brustkrebsfrüherkennung künftig Bildmaterial hundertprozentig gesundes Gewebes schneller von potenziell mit Krebs befallenem Gewebe unterscheiden können. Vereinfacht gesagt: Vara soll Mammografie-Bilder digital auswerten und unauffällige Aufnahmen aussor­tieren. Die Entwickler haben ihr Programm dafür trainiert. Und zwar auf einem der weltweit größten Brustkrebs-Datensätze mit mehr als zwei Millionen Aufnahmen. Diese wurden mittels Gewebeproben und Annotationen medizinischer Experten abgesichert.

Was zeichnet Vara besonders aus?

Vara ist nicht nur i r g e n d e i n Medizinprodukt. Die Softwaren soll schließlich nicht zwischen „Schnupfen“ und „kein Schnupfen“ unterscheiden, es geht um Krebs! Es handelt sich bei Vara um ein Hochrisiko-Medizinprodukt der Klasse 2b. Die Methodenbewertung ist damit Sache des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses G-BA. Da dreht man also schon am ganz großen Rad der Zulassung.

Mein Fazit

Gerade in der Radiologie werden die Datenmengen, die Ärzte zu bewältigen haben, immer mehr. Die Zahl der Fachkräfte, die diese Bilder analysieren und befunden können, sinkt aber. Wenn Vara alle unauffälligen Befunde zuverlässig aussortiert, könnte das Radiologen künftig erheblich entlasten. So können die sich voll und ganz auf das Erkennen von Krebserkrankungen konzentrieren. In Anbetracht schwindender Ressourcen und gleichzeitg stetig stiegender Kosten im Gesundheitswesen eine sehr begrüßenswerte Entwicklung. Wird Vara schon bald Eingang in die Regelversorgung finden? Laut unseren Recherchen ist das Unternehmen bereits mit Krankenkassen im Gespräch. Wir bleiben gespannt.

Brustkrebsfrüherkennung ist aber nicht nur an HighTech und KI gekoppelt, wie dieser spannende Beitrag beweist.

[1] https://www.mammo-programm.de/mammographie-in-zahlen/

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