Hautkrankheiten sind vielfältig. Melanome, Neurodermitis, Mundrose, Schuppenflechte, Fuß- und Nagelpilz, Feigwarzen … Gründe, einen Dermatologen aufsuchen zu wollen, gibt es viele. Das Problem des Fachärztemangels kennen wir alle. Die Wartezimmer sind überfüllt, die Wartezeit auf einen Termin mitunter monatelang.

Eine App für die digitale Diagnose von Hautkrankheiten soll nun Abhilfe schaffen. Geht nicht? Doch, geht, findet die Landesärztekammer Baden-Württemberg, die AppDoc genehmigt hat. AppDoc ist damit die erste teledermatologische Smartphone-Anwendung, bei der Hautärzte ohne persönlichen Kontakt zum Patienten eine Diagnose stellen dürfen.

Wie funktioniert´s?

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©Online Hautarzt – AppDoc

Benötigt werden drei Aufnahmen der betroffenen Hautstelle mit dem Smartphone oder der Digitalkamera. Diese werden über die App, oder auch Online bei Online Hautarzt – AppDoc, hoch geladen. Danach folgt eine kurze Anamnese zum Beschwerdebild. Dazu gehören zum Beispiel Symptome wie Juckreiz, Rötung, Schmerzen, Muttermal, Schwellung und andere. Auf die Angabe der betroffenen Region folgt die Frage, seit wann die Beschwerden bekannt sind und ob es bereits eine Behandlung gab. Zum Schluss noch ein paar persönliche Daten. Sobald der Fall eingereicht wurde, erhält man eine Fallnummer, sodass der Fallstatus durch den Patienten jederzeit über die App oder online abgerufen werden kann.

Die digitale Ersteinschätzung eines Dermatologen soll laut AppDoc innerhalb von 48 Stunden erfolgen. Eine regelmäßige Evaluation der App erfolgt durch die Universitäts-Hautklinik Essen.

Über AppDoc

AppDoc hat nach eigenen Angaben zum Ziel, die Verfügbarkeit von dermatologischer Diagnostik zu verbessern und dabei eine möglichst hohe Versorgungsqualität sicher zu stellen. Eine Studie zeigt, dass

ca. 80% der Diagnosen mit der Diagnose bei einem persönlichen Arztbesuch übereinstimmen.1

Entwickelt wurde AppDoc von Mitarbeitern der Hautklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Zusammenarbeit mit der Universitäts-Hautklinik  Essen. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. (BVDD) hat in Kooperation mit der Professor Paul Gerson Unna Akademie2 AppDoc mit dem Innovationspreis Dermatologie ausgezeichnet.

Mein Fazit

AppDoc verpflichtet sich zu höchster Beratungsqualität, stellt aber auch klar, dass eine App kein adäquater Ersatz für einen Arztbesuch ist. Auch kann die App keine Medikamente verschreiben. Da ist der Gang zum Arzt unumgänglich. Dennoch: der – kostenpflichtige3 – Service kann eine Lücke zwischen „Dr. Google“ und einem persönlichen Arztbesuch schließen. Auch bietet die Anwendung eine Möglichkeit, das Problem des Fachärztemangels und der zum Teil monatelangen Wartezeit auf einen Termin zu lösen. Auch für Menschen in entlegenen Gebieten oder mit eingeschränkter Mobilität mag sie im ersten Schritt helfen, ehe der weite Weg in die nächste Facharztpraxis angetreten wird.

Kritisch zu betrachten ist jedoch: Die Qualität des Ergebnisses hängt von der Qualität der gelieferten Bilder und Informationen ab. Vielen Menschen fällt es außerdem leichter, über die Symptome zu sprechen, anstatt eine Auswahl im Multiple Choice verfahren zu treffen. Auch in den Angaben kann also eine Fehlerquelle stecken. Und, last but not least: Was passiert, wenn die Diagnose lautet „Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Dermatologen“. Bekomme ich den dann schneller? Oder bin ich nur nervöser?


Meine Kollegin Nicole berichtete 2018 übrigens bereits über die App SkinVision. Bei dieser Art App ent­schei­det ein Algorithmus darüber, ob es sich um eine verdächtige Läsion handelt, die eine ärztliche Überprüfung erfordert, oder nicht. Eine aktuell publizierte Studie dazu sagt: Apps, denen ein Algorithmus hinterlegt ist, können Hautkrebs kaum erkennen4. Da geht AppDoc doch einen klaren Schritt weiter.

1 https://online-hautarzt.net/forschung/

2Die Professor Paul Gerson Unna Akademie ist das unabhängige Fort- und Weiterbildungsinstitut rund um das Thema Haut.

3 24,95€ / Konsultation

4 ärtzeblatt.de

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