Ein DIY-Spermatest für zuhause soll Männern mit einer Smartphone-App Auskunft über Konzentration und -beweglichkeit ihrer Spermien geben.

Männer aus westlichen Ländern haben immer weniger Spermien, das geht aus einer aktuellen Publikation im „Human Reproduction Update“ hervor. Zwischen 1973 und 2011 ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um mehr als die Hälfte (52,4 Prozent) gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss beträgt der Rückgang sogar knapp 60 Prozent.[1]

Aus diesen Zahlen lassen sich jedoch keine direkten Rückschlüsse auf die Fruchtbarkeit schließen, da Spermienfunktionalität wie Beweglichkeit und Struktur und Form Veränderungen in dieser Analyse nicht berücksichtigt wurden. Aber angesichts der Bedeutung der Spermien für die männliche Fruchtbarkeit und die menschliche Gesundheit ist diese Studie schon ein dringender Weckruf für Forscher und Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt, so der Studienleiter Hagai Levine von der Hebrew University in Jerusalem.

Foto: Pixabay.com

Für eine unkomplizierte und diskrete Untersuchung der männlichen, haben US-Forscher einen DIY-Spermatest für zuhause entwickelt, der ähnlich einfach und preisgünstig wie ein Schwangerschaftstest funktionieren soll.

Wie funktioniert der Sperma-Check per Smartphone App:

  • Das Smartphone wird dazu auf einen kleinen Plastikkasten, einem optischen Zubehörteil, aufgesteckt.
  • Die Spermaprobe wird auf einen Einmal-Chip geladen, der dann in das Zubehörteil geschoben wird. In weniger als fünf Sekunden analysiert die Kamera des Smartphones dann Spermienkonzentration und -beweglichkeit in der Probe. Eine App führt den Nutzer durch die Anwendung.

Der Test soll auch sehr zuverlässig sein: Mit einer Genauigkeit von etwa 98 Prozent entdeckte er Proben mit einer Konzentration von unter 15 Millionen Spermien pro Millimeter und/oder einem Anteil beweglicher Spermien von weniger als 40 Prozent. Damit erlaubt das System laut einer Publikation der Wissenschaftler eine verlässliche Beurteilung der Spermienqualität basierend auf den Qualitätskriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO).[2]

So ein Heimtest könnte Männern Stress und peinliche Situationen ersparen, wie sie bei der Untersuchung in einer Klinik entstehen. Allerdings sollten sie lediglich als Orientierung dienen und nicht als Ersatz für eine herkömmliche Labordiagnostik. Ein qualifizierter Untersucher sieht nicht nur wie viele Spermien in der Probe unterwegs sind und wie schnell sie sich bewegen, sondern er berücksichtigt immer auch noch andere Parameter. Er beurteilt beispielsweise auch die Form der Spermien und er prüft, ob sich vielleicht noch andere Zellen in der Probe befinden, die möglicherweise Hinweise auf eine Erkrankung liefern.

Mein Fazit:

Unabhängig davon, wie verlässlich der Test de facto ist, muss man sich meines Erachtens auch die Frage stellen, wie Männer oder Paare mit dem Ergebnis eines Heimtests umgehen. Egal wie es ausfällt, es ersetzt keinesfalls den Kontakt mit einem Arzt. Eine urologische Beratung, die das Ergebnis und vor allem auch mögliche Konsequenzen für den Mann und /oder die Frau, die ja erheblich sein können, aufzeigt, sollte unbedingt folgen. Aber bislang ist der Test ohnehin noch nicht zugelassen, es existiert zunächst nur ein Prototyp.

Mehr dazu.

[1] 2017; doi:10.1093/humupd/dmx022

[2] 2017; DOI:10.1126/scitranslmed.aai7863

Share