Obwohl die STIKO für bestimmte Personen die jährliche Grippe-Impfung empfiehlt, wird sie nur von einigen in Anspruch genommen. Mit den Vorteilen des Mikronadel-Pflasters könnte man vielleicht mehr Impflinge für die Schutzimpfung gewinnen.

Ob die Angst vor Spritzen tatsächlich ein relevanter Grund ist, dass die jährliche Grippeschutzimpfung nicht von allen, denen sie empfohlen wird, in Anspruch genommen wird, weiß ich nicht. Aber vielleicht ist es vielen einfach lästig, deswegen extra zum Arzt zu gehen. Dazu kommt dass man bei manchen Ärzten den Impfstoff auch erst noch in der Apotheke abholen muss.

Daher finde ich ein Impf-Pflaster, das man sich – die entsprechende Indikation vorausgesetzt – selbst applizieren kann, eine clevere Idee. Dass das Pflaster auch nicht durchgehend gekühlt gelagert werden muss, ist ein weiterer Vorteil. Und dass die Impfung aufgrund der Mikronadeln im Vergleich zur herkömmlichen Impfung zudem noch fast schmerzfrei sein soll, ist dann noch ein „netter Zusatznutzen“.

Wie funktioniert das Mikronadel-Pflaster?

Es handelt sich um ein Pflaster, auf dem viele winzige Nadeln aufgebracht sind. Sobald das Pflaster auf der Haut platziert ist, lösen sich die in einen Wirkstoff getränkten Nadeln auf und geben diesen frei. Wenn sich die Nadeln aufgelöst haben, kann das Pflaster ganz normal im Müll verschwinden.

Ist die Impfung mittels Pflaster auch wirksam?

Eine Phase-I-Studie mit 100 Teilnehmern zwischen 18 und 49 Jahren, die durchweg im letzten Jahr keine Grippe hatten, wurde bereits durchgeführt. Die Teilnehmer wurden 1:1:1:1 randomisiert: Gruppe 1 bekam das Mikronadel-Pflaster von anderen verabreicht, Gruppe 2 applizierte sich das Pflaster selbst, Gruppe 3 erhielt eine Standard-Impfung und Gruppe 4 bekam ein Placebo. Das Ergebnis: Die prozentuale Serokonversion* war an Tag 28 nach der Impfung mit dem Mikronadel-Pflaster signifikant höher verglichen mit Placebo (p<0,0001) und mit der Antikörperbildung nach i.m.-Injektion des Impfstoffs vergleichbar (p>0,01).

Quelle: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)30575-5/fulltext

Da für die Pflaster offenbar keine Kühlkette nötig ist und sie sich daher ohne großen Aufwand lagern und auch per Post verschicken lassen, wäre eine bequeme Impfung zu Hause oder am Arbeitsplatz und natürlich auch in Heimen in Sicht.

Mein Fazit

Ich bin gespannt, ob sich die Grippeimpfung „to go“ durchsetzen wird. Zunächst laufen die klinischen Studien an, dann wird man weiter sehen.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=msS04cMF8l0#action=share

 

*Serokonversion ist der medizinische Fachausdruck für das Entwickeln von spezifischen Antikörpern gegen Antigene eines Fremdkörpers im Rahmen einer Infektion oder einer Impfung.

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