Kann eine App bei der richtigen Insulindosierung helfen? Dr. rer. nat. Andreas Fiebig, Partner von hedia für den deutschen Markt, ist davon überzeugt. Die von dem dänischen Startup Hedia ApS entwickelte App analysiert mittels der hinterlegten Künstlichen Intelligenz (KI) und auf Basis der eingegebenen Daten nahtlos individuelle Muster und Gewohnheiten des Nutzers. Darüber hinaus werden weitere Parameter wie Bewegungsaktivität, Insulinsensitivität, der durchschnittliche Blutzuckerwert und die Bolus-Korrektur berücksichtigt. Eine Lebensmitteldatenbank unterstützt bei der Kohlenhydratberechnung. Soviel vorweg.

Diagnose: Diabetes mellitus

Diabetes mellitus – kurz: Diabetes – wurde von den Vereinten Nationen als erste, nicht durch eine Infektion ausgelöste Erkrankung, zu einer globalen Bedrohung für die Menschheit erklärt. Es ist die häufigste chronische Erkrankung in Deutschland.1, 2

Alles ganz easy?

„Der Alltag mit Diabetes unterscheidet sich in nichts vom Alltag ohne Diabetes. Menschen mit Diabetes können heutzutage alles machen, was auch Menschen ohne Diabetes machen können.“

Alles ganz easy also? Ganz so einfach ist das dann doch nicht. Menschen mit Diabetes treffen am Tag viele kleine und große Entscheidungen. Sei es zum Thema Ernährung, dem richtigen Lebensstil oder dem Status des Blutzuckerspiegels und der – daraus resultierenden – erforderlichen Insulindosis. Auch Themen wie Reisen, Stress und Bewegung müssen berücksichtigt und Entscheidungen dazu getroffen werden. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

An den Diabetes denkt man also jeden Tag, in vielen Situationen. Die kleineren und größeren täglichen Herausforderungen zu meistern, ist nicht immer einfach. Und hier kommt die App hedia ins Spiel.

hedia – mein Diabetes Assistent

Für ein gutes und gesundes Leben mit Diabetes sind ein stabiler Blutzucker und ein stabiler HbA1c-Wert essenziell. Insbesondere, um Diabetes-assoziierte Begleit- und Folgeerkrankungen zu vermindern, idealerweise zu vermeiden.Hedia_Insulindosierung_HealthcareHeidi_01

Wie eingangs bereits erwähnt, analysiert hedia individuelle Muster und Gewohnheiten und gibt auf Basis dessen eine genaue Insulinempfehlung. Die in der App hinterlegte Lebensmitteldatenbank verfügt zurzeit über 1.500 Lebensmittel und unterstützt bei der – nicht immer ganz einfachen – Kohlenhydratberechnung.

Damit es auch tatsächlich funktioniert, müssen vom Nutzer nach Installation der App ein paar grundlegende persönliche Informationen angegeben werden. Dazu gehören die Messeinheit (mmol/l oder mg/dl), das persönliche Insulin:Kohlenhydrat-Verhältnis, der Insulinsenitivitätsfaktor und die Genauigkeit des verwendeten Insulinpens bzw. ob eine Pumpe verwendet wird.

Und dann ist es, laut hedia, im Grunde ganz einfach, in wenigen Schritten die empfohlene Insulindosis zu ermitteln:

  1. Die gemessenen Blutzuckerwerte drahtlos via NFC (Near Field Communication) oder Bluetooth an die App übertragen.
  2. In der Lebensmitteldatenbank auswählen, was man essen möchte.
  3. Die körperliche Aktivität ergänzen.
  4. Die empfohlene Insulindosierung erhalten. Fertig.

Laut Hersteller soll die langfristige Nutzung von hedia einerseits eine Verbesserung des HbA1c-Wertes und eine verbesserte Lebensqualität für Menschen mit Diabetes mit Insulineinnahme bewirken. Darüber hinaus soll eine Verringerung der verwendeten Blutzuckerteststreifen durch die hinterlegten, intelligenten Algorithmen nach mehreren Monaten Nutzung erreicht werden.

Das Projekt wurde durch das European Union’s Horizon 2020 research and innovation programme3 unterstützt, wurde 2018 als bestes Health Tech Startup der Nordic Startup Awards4 ausgezeichnet und schaffte es 2020 auf die Shortlist des bytes4diabetes Award5, der innovative digitale Lösungen, die helfen, die Versorgung von Menschen mit Diabetes zu verbessern, auszeichnet.

Mein Fazit

hedia möchte Menschen unter Insulintherapie einen Assistenten an die Hand geben, der durch die tägliche Dateneingabe leitet, sowie im Alltag begleitet. Der innovative Ansatz liegt dabei in der hinterlegten Künstlichen Intelligenz, die durch den täglich wachsenden Datenpool fortlaufend optimiert wird. Grundsätzlich eine gute Idee.

Was mir auch gut gefällt ist die Idee der Unabhängigkeit von einem bestimmten Anbieter von Blutzuckermessgeräten. Dadurch können die Nutzer ihr favorisiertes Blutzuckermessgerät weiterhin nutzen. Der Haken dabei ist, dass hedia aktuell nur die folgenden Systeme unterstützt: GlucoMen Areo / Areo2k (A. Menarini Diagnostics) und CONTOUR® NEXT ONE (Ascensia Diabetes Care). Damit fehlen für mich Anbieter wie Roche Diagnostics oder Abbott Diabetes Care. Dazu kommen die – immer häufiger verordneten – FGM- und CGM-Systeme, die den Blutzucker kontinuierlich messen und überwachen. Aber vielleicht sind die ja schon alle in der Entwicklung.

Laut Hersteller ist aktuell ein Barcode-Scanner, der mit der Lebensmitteldatenbank verknüpft sein wird, in Entwicklung. Auch die geplante Anbindung von Aktivitätstrackern via Bluetooth wäre meines Erachtens ein echtes Plus für die App.

„Unterm Strich“: ein gutes Projekt mit noch einigen Hausaufgaben.

Zur Webseite von hedia


Weitere spannende Beiträge zu Projekten, Entwicklung und digitalen Gadgets rund um das Thema Diabetes finden Interessierte unter diesem Link in unserem Blog.

1 https://www.medica.de/de/News/Archiv/Neues_Forschungsprojekt_Interaktive_Hilfe_f%C3%BCr_Diabetiker

2 https://www.dzd-ev.de/diabetes/index.html

3 https://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/en

4 https://nordicstartupawards.com/national-winners-2018

5 https://www.bytes4diabetes.de/


*Werbung – unbezahlt – wegen Namensnennung / Verlinkung*

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